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Montag, 13. Juni 2011

12.06.2011 Batgirl und ihre lesenden Akrobaten


Am gestrigen Pfingstsonntag, nach knapp zweiwöchiger Tristesse, beschlossen A. und ich, uns die zweite Auflage der offenen Göttinger Lesebühne "Acrobat Readers" im Nörgelbuff anzusehen. Großzügigerweise durfte ich von der Verantwortlichen Ninia ein Foto vor dem Mittelpunkt des Abends (einer Komposition mit Mikrofon, Schreibtischlampe, Tisch, Stuhl und einer Bierglasvariablen) schießen.

NiniaLaGrande


Der Abend begann vielversprechend, und noch besser: Er hielt, was er versprach. Ninia eröffnete moderiend sowohl die erste als auch die zweite Hälfte des Lesereigens mit einem bisher unveröffentlichten Text über Einsamkeit im Alter, sowie einem traurigen   Gedicht und übergab die Sitzgelegenheit vor dem Publikum direkt im Anschluss an die Teilnehmerin mit dem wohl weitesten Anreiseweg, mieze medusa aus dem zauberhaften Wien, die bei ihrer Göttingenpremiere mit einem breiten Themenspektrum, angefangen bei ihrer geistigen Landflucht aus der Heimat Österreich, bis zur Liebe zu ihrer (esmanchmaleinbisschenzugutmeinenden aberdennochimmerfürsiedaseienden) "Mama" ("aber nicht nur...!"), gepaart mit deutlichen Spitzen an die internationale Politik, vollends überzeugen konnte.

Danny präsentierte zu Beginn zwei Texte über seinen Umgang mit dem Thema Liebe und das Problem, für jemanden nur ein "Freund" zu sein, und widmete sich in der zweiten Hälfte des Abends der Verrohung und Abstumpfung der Menschheit. Nach ihm betrat Martin (der Überraschungsgast der ersten Ausgabe von Acrobat Readers) mit seiner obligatorischen Plastiktüte, bestückt mit poesiegefüllten Notizheften und selbstverlegten Bänden, die Bühne, distanzierte sich auf der Basis "unmusikalischer" Rhythmen (Zitat) gekonnt von der ihm merkwürdig erscheinenden Gesellschaft und machte der Moderatorin Ninia in einem Textduett ein unmoralisches Angebot.

Herdis

Herdis, deren Bühnenauftritt am gestrigen Tag glimpflicher abging als der Auftritt im wörtlichen Sinn war die Nächste im Bunde, deren Texte sich bei dieser AR-Ausgabe in meinen Augen als Glücksgriffe erwiesen, sehnte sie sich in ihnen doch nach ihrer Kindheit, Jugend, vergangenen Tagen und ihrer besten Freundin, mit der sie so allerlei Schönes erlebt hatte, und fand mit ihrem letzten Text einen kreativ eigen(sinnig)en Zugang zur Welt der Redewendungen und Sprichwörter. Torben, mit dem sonoren tiefen Bass wiederum, überragte die Moderatorin zumindest körperlich und brachte nicht nur die Mikrofonanlage in Bedrängnis, sondern auch die 2x 14-jährige Jasmin. Auch die Fernsehgesellschaft bekam per Magenband sprichwörtlich ihr Fett weg, da sie es eigentlich selbst in der Hand hätte wegzuschauen, und ein Großteil des Publikums fühlte sich bei Torbens Frage nach Glück oder Unglück eines Slammers zwangsweise an zwangvolle Liebeserklärungen zurückerinnert.

Auch Laura von montagsleser.de war diesmal wieder mit dabei und betrieb Selbstreflexion am Beispiel einer Werte-und-Normen-Hausarbeit , griff die Urfrage nach der Henne und dem Ei wieder auf und beantwortete die Frage, weshalb sie denn um Gottes Willen nicht Erziehering werden wollte, bis Manfred, der Überraschungsgast dieser Ausgabe, trotz fehlender Sehhilfe das Publikum mit seinen Ausführungen über Generationenkonflikte und -unterschied anhand seines Großvaters darstellte, die Frage seiner Frau "Was denkst du?" sehr ausführlich beantwortete und - wie Danny - auf das Problem des "Freund"seins einging.

Insgesamt ein wunderschöner Abend, der nach knapp zweieinhalb Stunden ein wohlverdientes Ende fand und das - wohl der Feiertage geschuldet - leider nicht ganz so vollzählige Publikum mit guter Laune in die Nacht entsandte. Schade, dass die Neuauflage erst gegen Ende August stattfinden wird.

PS: Sollte eine der mitwirkenden Personen Wert darauf legen, hier bildlich erwähnt zu werden, so habe ich im Laufe des Abends ein paar schöne Fotos geschossen.

Dienstag, 26. April 2011

26.04.11 Endlich wieder etwas Zeit

So. Mehr als drei Wochen ist mein letzter Post inzwischen her, aber ich bring mal ein kleines Update:
In den letzten vier Wochen habe ich - krankheitsbedingt etwas später - drei Hausarbeiten abgegeben und folglich eine Menge Zeit ins Denken, vielleicht aber zuwenig Zeit ins Schreiben investiert. Nun sitze ich hier und harre der Ergebnisse, die da kommen sollen. (Eine mit einer 1,3 ist schon wieder da \o/)

Letztes Wochenende war ich mit A., meiner Schwester und meinem Schwager (der durfte uns nämlich kutschieren, hehe) im Harz, um Kindheitserinnerungen aufzufrischen. Ziele waren der Oderteich, das Torfhaus, der Radau-Wasserfall mit der knuffeligen kleinen Eisenbahn "Emma", die dort ihre kleinen Kreise zieht seit ich klein war, und in Bad Harzburg, der alten Wohnstätte meiner inzwischen leider verstorbenen Großeltern.

Berichtende Fotos mit Untertiteln wird es in den nächsten Tagen hier zu "bestaunen" geben. Ich wäre auch schneller, wenn ich nicht beschlossen hätte, meine Fotos dieses Tages sämtlichst im RAW-Format zu schießen, welches dazu führt, dass man an den geschossenen Fotos noch so viel herumbasteln kann, dass man mit dem Endprodukt eigentlich nie zufrieden ist. Moderne Technik ist schon schlimm. ;)

Und jetzt werde ich mich meinem kleinen persönlichen Forschungsthema widmen: Mein Instrumentenkunde-Prof ist der Meinung, dass es ein viel zu philosophischer Ansatz wäre, die menschliche Stimme als ein "Instrument" zu bezeichnen. Dann werde ich mal versuchen, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Für ne Bachelor-Arbeit wird das Thema wohl nicht taugen, aber immerhin. Apropos Stimme: Nur noch 12 Tage bis zur Es-Dur Schubert-Messe in der Göttinger Johanniskirche. Ich freu mich schon! \o/

Dienstag, 22. Februar 2011

22.02.11 Liebestolle Vollpfosten

Ich habs geschafft! Ein Titelbild für meinen kleinen Blog ist endlich fertig. :D
Zugegeben, ich bin kein großer Künstler, aber meine Strichmännchen können zumindest einigermaßen andeuten was sie denn da auf dem (virtuellen) Papier treiben.

Heute bin ich auf dem Krankenbett bei meiner täglichen Ration RTL (ich schwöre, dass ich das wieder reduziere) mal wieder bei Punkt Tßsswölfff (Zitat!) mit Katja Burkhardt hängengeblieben. Vom Lispeln abgesehen, finde ich es etwas zu billig, über das Niveau vieler der dort gezeigten "News" herzuziehen. Eine andere Sache ist mir dennoch im Gedächtnis geblieben: Ich weiß nicht mehr hundertprozentig worum es ging, jedoch tauchte in der Sendung das Wort "Liebhaber" auf. Mir passiert es häufig, dass ich völlig alltägliche Worte, die mir vorher schon xmal begegnet sind, stundenlang vor mich hinbete, nur um sie auseinanderzunehmen, weil sie grad so seltsam klingen.

Beim "Liebhaber" stellt sich die Sache folgendermaßen dar: "Liebhaber" kommt von "lieb haben". Jemand, der einen "lieb hat". Mit "lieb haben" verbinde ICH allerdings andere Sorten von "Menschen": Vor allem sehr junge Paare und solche, die sich dafür halten und die sich in SMS, Tweets, per Facebook oder auf anderen anderen Wegen der Liebesschwurvermittlung (Briefe sterben ja heutzutage eher aus) mit Abkürzungen wie "HDGGGGGGGGGDDDDLLLLL!!!!" oder "LUV U 4 EVA!" ausdrücken wollen, wie viel sie für die Gegenpartei empfinden, ohne dabei Rücksicht darauf zu nehmen, dass die Abkürzung entweder nicht mehr als solche erkennbar ist, geschweige denn, dass der Sinn erhalten bleibt. (Dass man ein Wort wie "ganz" verdreifacht, ist noch deutlich sinnvoller als "doll" oder "lieb", aber im Liebeswahn scheint das bei den meisten hormongesteuerten Jungmenschen nicht geistig zu erfassen zu sein.)

Versteht mich nicht falsch, ich bin beileibe nicht neidisch auf sowas, im Gegenteil. Macht sowas gern, aber bitte bleibt damit im Privaten. Letztens stieß ich bei deviantart.com auf die Profilseite eines deutsch-rumänischen Paares (den Profilnamen werde ich hier bewusst nicht erwähnen), welches gemeinsam (!) seine Bildunterschriften gestaltete. Zum einen fanden sich dort gegenseitige Liebesschwüre in Dialogform, welche an diese sprechenden Tassen ("Immer zwei mal mehr wie du!") in der alten MTV-Werbung erinnerten, sowie
auch Bekundungen, dass das eigene "Schnuffmuff" das "most adorable schnuffmuff EVA" wären. Die dazu abgebildetete Person erinnerte an eine Mischung aus Alfi Hartkor und Siegfried, mit langer glatter blonder Mähne.

Vielen Dank, das werden jetzt meine ersten Gedanken sein, wenn ich das Wort "Liebhaber" höre. Wobei man das Wort auch ersetzen könnte. "Geliebter"? Nein, das klingt zu echt, es soll ja grad die Person darstellen, die neben einer Beziehung aufgesucht wird (wobei sich das ja auch entsprechend entwickeln kann...). Wie wäre es mit "Partnerschaftsergänzer"? Nein, klingt nach einem "Partnerschaftsergänzungsmittel", das man in der Apotheke seines Vertrauens kaufen kann. "1x den gut gebauten Kerl da hinten zum Mitnehmen bitte, der guckt so süß."

Hach, die deutsche Sprache ist schwierig. Gibt es denn nichts eindeutiges? Etwas, das dem Kontext am besten entspricht? Ok, gesucht wird ein Begriff für eine Person, die eine andere Person nicht zwingend liebt, sondern zur Erfüllung sexueller und/oder anderer Gelüste aufsucht, während sie sich in einer festen Partnerschaft befindet, und der bitte nichts mit "lieb haben" zu tun hat. Vorschläge?

Achja: Die Tassen aus der Werbung gibt es auch unter Tassen.tv zu bestellen.